Staatliche Schulberatungsstelle für Niederbayern
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Besonders begabte Kinder: Informationen für Lehrer

1. Checkliste für Lehrkräfte (aus: Begabte Kinder finden und fördern, hrsg. vom BMBF, 1997)
Merkmale des Lernens und Denkens

Hochbegabte haben in einzelnen Bereichen ein sehr hohes Detailwissen

ihr Wortschatz ist für das Alter ungewöhnlich

ihre Sprache ist ausdrucksvoll, ausgearbeitet und flüssig

sie können sich Fakten schnell merken

sie durchschauen sehr schnell Ursache-Wirkungs-Beziehungen

sie suchen nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden

sie erkennen sehr schnell zugrunde liegende Prinzipien

sie können schnell gültige Verallgemeinerungen herstellen

sie können außergewöhnlich gut beobachten

sie lesen sehr viel von sich aus und bevorzugen Bücher, die über ihre Altersstufe deutlich hinausgehen

sie geben in ihren Ausführungen zu erkennen, dass sie kritisch, unabhängig und wertend denken

Arbeitshaltung und Interesse

motivierte Hochbegabte gehen in bestimmten Problemen völlig auf

sie sind bemüht, Aufgaben stets vollständig zu lösen

sie sind bei Routineaufgaben leicht gelangweilt

sie streben nach Perfektion

sie sind selbstkritisch

sie sind mit ihrem Tempo oder Ergebnis nicht schnell zufrieden zu stellen

sie arbeiten gern und unabhängig, um hin-reichend Zeit für das eigene Durchdenken eines Problems zu haben

sie setzen sich hohe Leistungsziele und lösen (selbst) gestellte Aufgaben mit einem Minimum an Anleitung und Hilfe durch Er-wachsene

sie interessieren sich für viele „Erwachsenenthemen“ wie Religion, Philosophie, Politik, Umweltfragen, Sexualität, Gerechtigkeit in der Welt usw.

Merkmale des sozialen Verhaltens

Hochbegabte beschäftigen sich viel mit Begriffen wie Recht-Unrecht, Gut-Böse und sind bereit, sich gegen „Autoritäten“ zu enga-gieren

sie gehen nicht um jeden Preis mit der Mehrheit

sie sind individualistisch

sie akzeptieren keine Meinung von Autoritäten, ohne sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen

sie können gut Verantwortung übernehmen und erweisen sich in Planung und Organisation als zuverlässig

sie kommen mit Alterskameraden wie mit Erwachsenen in der Regel gleich gut zurecht, suchen ihre Freundschaften aber bevorzugt unter Gleichbefähigten

sie neigen schnell dazu über Situationen zu bestimmen

sie können sich in andere einfühlen und sind daher für politische und soziale Probleme aufgeschlossen


2. Ulbricht: Checkliste/Beobachtungsbogen für Lehrer

(erarbeitet in Lehrerfortbildungen)

(Anregungen für die Schülerbeobachtungen, ggf. ergänzen und modifizieren)

Name der Schülerin/des Schülers: ________________________________

Datum der Einschätzung: ______________

Wenn ich meine Schülerin/meinen Schüler beobachte,f ällt mir auf ...

Wenn ich meine Schülerin/meinen Schüler beobachte, fällt mir ein ...

Trifft weitgehend zu Untentschieden Trifft eigentlich nicht zu
1 Kann Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Dingen, Ereignissen und Begriffen schnell erkennen.

... ... ...
2 Erkennt grundlegende Prinzipien oder Regeln und wendet sie richtig an. ... ... ...
3 Kann gut analytisch denken; komplizierte Dinge werden in überschaubare Einheiten zerlegt. ... ... ...
4 Verblüfft durch logisches Denken und hat knappe und präzise Antworten parat. ... ... ...
5 Kann gut Rechenaufgaben lösen. ... ... ...
6 Kann gut mit Symbolen und Tabellen umgehen, z.B. Landkarten, Stadtpläne, Diagramme oder Tabellen. ... ... ...
7 Die Sprache ist farbig, ausdrucksvoll, differenziert und flüssig. ... ... ...
8 Benutzt schwierige, ungewöhnliche Worte richtig; zeigt einen reichhaltigen Wortschatz beim Reden. ... ... ...
9 Benutzt beim Schreiben ungewöhnliche Wörter mit schwierigen Bedeutungen; zeigt einen reichhaltigen Wortschatz. ... ... ...
10 Fasst neue Fakten im Unterricht schnell auf und kann sie fehlerfrei wiedergeben. ... ... ...
11 Hat ein gutes Gedächtnis für Zahlen und Symbole. ... ... ...
12 Gibt längere Darstellungen eines Sachverhaltes auch nach geraumer Zeit (Monate) korrekt wieder. ... ... ...
13 Lernt leicht und schnell und bedarf kaum einer Wiederholung von Anleitungen und Erklärungen. ... ... ...
14 Hat in einzelnen Bereichen ein sehr hohes Detailwissen. ... ... ...
15 Der Wortschatz ist für das Alter ungewöhnlich. ... ... ...
16 Die Sprache ist ausdrucksvoll, ausgearbeitet und flüssig. ... ... ...
17 Kann sich Fakten schnell merken. ... ... ...
18 Durchschaut schnell Ursache-Wirkung-Beziehungen. ... ... ...
19 Sucht nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden. ... ... ...
20 Erkennt schnell zugrunde liegende Prinzipien. ... ... ...
21 Kann schnell gültige Verallgemeinerungen herstellen. ... ... ...
22 Kann außergewöhnlich gut beobachten. ... ... ...
23 Liest von sich aus sehr viel und bevorzugt Bücher, die über die Altersstufe deutlich hinausgehen. ... ... ...
24 Gibt in den Ausführungen zu erkennen, dass es kritisch, unabhängig und wertend denkt. ... ... ...
25 Motivierte Hochbegabte gehen in bestimmten Problemen völlig auf. ... ... ...
26 Ist bemüht, Aufgaben stets vollständig zu lösen. ... ... ...
27 Strebt nach Perfektion. ... ... ...
28 Ist selbstkritisch. ... ... ...
29 Ist mit dem Tempo und dem Ergebnis nicht schnell zufrieden. ... ... ...
30 Arbeitet gern unabhängig, um hinreichend Zeit für das eigene Durchdenken eines Problems zu haben. ... ... ...
31 Setzt sich hohe Leistungsziele und löst selbstgestellte Aufgaben mit einem Minimum an Anleitung durch Erwachsene. ... ... ...
32 Interessiert sich für viele „Erwachsenenthemen“ wie Religion, Philosophie, Politik, Umweltfragen, Sexualität, Gerechtigkeit .. ... ... ...
33 Beschäftigt sich viel mit Begriffen wie Recht-Unrecht, Gut-Böse ... ... ... ....
34 Geht nicht um jeden Preis mit der Mehrheit. ... ... ...
35 Ist individualistisch. ... ... ...
36 Akzeptiert keine Meinung von Autoritäten, ohne sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen. ... ... ...
37 Kann gut Verantwortung übernehmen und erweist sich in der Planung und Organisation als zuverlässig. ... ... ...
38 Sucht Freundschaften unter Gleichbefähigten, notfalls Älteren. ... ... ...
39 Neigt schnell dazu, über Situationen zu bestimmen. ... ... ...
40 Bevorzugt, wenn dazu Gelegenheit gegeben wird, divergierendes Denken und findet dadurch häufig mehrere Lösungen. ... ... ...
41 Kann sich gut in andere einfühlen und ist für soziale und politische Probleme aufgeschlossen. ... ... ...
42 ... ... ... ...
43 ... ... ... ...
44 ... ... ... ...

3. Fragebogen zur Erfassung von Selbst- und Fremdwahrnehmungen zur Hochbegabung in Mittelfranken

Lesen Sie sich bitte die folgenden Sätze aufmerksam durch und kreuzen Sie an, wie sehr die Aussagen auf Ihr Kind bzw. Ihre Schülerin, Ihren Schüler zutreffen! Benützen Sie ggf. die Rückseite, um typische Verhaltensweisen, Beispiele für die einzelnen Beobachtungsbereiche in Worten zu schildern!

Bereiche der Fremdbeobachtung

(Eltern, Lehrer, ggf. Erzieher, außerschulische Betreuer etc.)

immer

1

oft

2

manchmal

3

selten

4

nie

5

Persönlichkeit
Das Kind ist sehr ehrgeizig und zielstrebig
0
0
0
0
0
Das Kind interessiert sich für viele Themen (und Fächer)
0
0
0
0
0
Ärger, Misserfolge (schlechte Noten) entmutigen das Kind nicht
0
0
0
0
0
Das Kind ist selbstbewusst; es traut sich seine Meinung zu sagen
0
0
0
0
0
Es kann sich gut auf etwas konzentrierten und lange dabei bleiben
0
0
0
0
0
Sozialverhalten
Das Kind ist sehr hilfsbereit
0
0
0
0
0
Das Kind kann gut in einer Gruppe arbeiten
0
0
0
0
0
Das Kind kann sich in einer Gruppe durchsetzen
0
0
0
0
0
Es fällt dem Kind leicht, sich in einer Gruppe einzuordnen
0
0
0
0
0
Es geht gerne in die Schule, weil es mit anderen zusammen ist
0
0
0
0
0
Theoretische Begabung
Neuen Lernstoff versteht das Kind recht schnell
0
0
0
0
0
Das Kind kommt gut mit mathemat. Formeln und Begriffen klar
0
0
0
0
0
Das Kind kann sich gut ausdrücken
0
0
0
0
0
Es kann, was es gelernt hat, gut auf andere Themen anwenden
0
0
0
0
0
Neue Texte liest und versteht das Kind sehr schnell
0
0
0
0
0
Praktische Begabung
Das Kind arbeitet sehr geschickt mit seinen Händen
0
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0
Praktische Arbeiten macht dem Kind Freude
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0
0
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Es kann im Werken/Hauswirtschaft/Kunst sehr genau arbeiten
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0
0
0
Bei praktischen Arbeiten hat es viel Phantasie und gute Ideen
0
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0
0
0
Es kann ausdauernd an einem Werkstück/Zeichnung arbeiten
0
0
0
0
0
Arbeitsweise
Das Kind arbeitet sehr sorgfältig
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0
0
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Das Kind arbeitet meistens selbständig und braucht kaum Hilfe
0
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0
0
Das Kind kann rasch und zügig arbeiten
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0
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0
Das Kind kann gut länger an einer Arbeit bleiben
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0
0
0
Das Kind macht seine Arbeiten/Hausaufgaben sehr zuverlässig
0
0
0
0
0
Wie kann ich Underachiever erkennen?

FELS (1999, S. 857) nennt folgende Leistungsmerkmale hochbegabter Underachiever, die besonders bei aufgeweckten, kreativen Kindern und Jugendlichen

- durch ständige schulische Unterforderung und Unterordnung unter schulische Verhaltensmuster wie

- konvergentes Denken und Konformität,

- sowie durch Langeweile infolge weitgehend durchschaubarer Inhalte und Ergebnisse

auftreten:

Leistungsmerkmale:

- schlechte Ergebnisse in Gruppentests und Klassenarbeiten

- schlechte Ausführung schriftlicher Aufgaben

- schlechtes Lernverhalten

- geringe schulische Initiative

- Leistungsvermeidung

- Auswahl zu leichter oder zu schwerer Aufgaben und Standards

- Gute mündliche Leistungen

- Hohe Testwerte in Intelligenztests

Kognitive Merkmale:

- gutes Gedächtnis und Verständnis, falls am Thema interessiert

- besonderes Interesse und breites Wissen in ausgewählten Themenbereichen

- Unaufmerksamkeiten und Unfähigkeit zur Konzentration

- Mangel an selektiver Wahrnehmung bei Präsentation mehrerer Stimuli

- Weite Interessengebiete

Persönliche Merkmale:

- besondere Kreativität

- geringes Selbstbewusstsein und ungünstiges Selbstkonzept führen zu:

- Problemen sich emotional mit anderen zu messen

- Mangel an Selbstvertrauen

- Minderwertigkeitsgefühlen

- fehlende Motivation durch Gruppeninteressen, anregende Umwelten und Belohnungen

- Erfolgsangst (v. a. Mädchen)

- Neigung zu externer Attribution von Erfolg und interner Attribution von Misserfolg

Soziale Merkmale:

- sehr autonome, unbeeinflussbare Ansichten

- feste Ansicht, dass ihn/sie niemand mag

- Misstrauen gegenüber Annäherungsversuchen

- geringe Akzeptanz bei den Peers

- soziale Unreife

- Unfähigkeit äußere Einflüsse zurück zu weisen

- Neigung zu aggressivem, feindseligem Verhalten:

- lehnt Einhaltung von Regeln ab

- läuft umher und stört andere

- wetteifert um Aufmerksamkeit

- weist Anweisungen zurück

- nutzt Freiheiten aus und beschränkt sich nicht

- befremdet Peers durch aggressive und abfällige Einstellung

- Rückzugsverhalten (v. a. Mädchen):

- spricht kaum mit Lehrkräften, Schülern oder Schülerinnen

- hat Tagträume, malt herum ...

- bemüht sich kaum um Mitarbeit

- verteidigt sich nicht

- Unfähigkeit in Gruppen jeder Größe konstruktiv mitzuarbeiten

- Keine Befriedigung durch Demonstration erworbener Fähigkeiten auf einfachem Niveau

Weitere Merkmale:

- häufiges Fehlen durch Schwänzen und Hypochondrie

- Hyperaktivität und übermäßige Anspannung

- Unnachgiebigkeit in seinen Interessen: „Ich lerne, was ich will“

- physische, soziale und emotionale Unreife

- Abneigung gegen die Schule oder völliges Desinteresse an ihr

Betrachtet man diese Merkmale nach den Verhaltensmerkmalen, die positiv hervorstechen und nach denen eine Lehrkraft vielleicht auf den Gedanken „besonderer Begabungen“ schließen könnte, dann sind dies:

- Gute mündliche Leistungen

- Gutes Gedächtnis und Verständnis, falls am Thema interessiert

- besonderes Interesse und breites Wissen in ausgewählten Themenbereichen

- Weite Interessengebiete

- besondere Kreativität

In der Gegenüberstellung von „negativem“ und „positivem“ Verhalten in Bezug auf das Erkennen von besonderen Begabungen stellt FELS (1999, S. 148) tabellarisch den Identifizierungshindernissen Identifizierungsalternativen gegenüber:
Identifizierungshindernis Identifizierungsalternative
- zeigt höchstens durchschnittliche schriftliche Leistungen

- hat eine negative Einstellung zur Schule

- ist sozial und emotional unreif

- zeigt schlechtes oder zurückgezogenes Klassenverhalten

- es sind nur mangelnde Informationen über seinen Wissensstand, Interessen und Gedanken bekannt

- übernimmt ungern Leseaufgaben

- zeigt nur geringe Leistungen

- führt Aufgaben nachlässig aus

- neigt zu schulischen Desinteresse

- besitzt komplexen Wortschatz und kann gut schlussfolgern

- Gespräch über persönliche Interessen

- Evaluation der Problemlösefähigkeiten

- zeigt Originalität, Kreativität und gutes Schlussfolgern

- persönliches Gespräch mit dem Schüler oder der Schülerin

- liest viel zuhause

- mündliche Befragung in informeller Atmosphäre

- Ermöglichung der Durchführung selbstgestellter Aufgaben

- Besitzt große Kompetenz in Spezialgebieten